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Hallo
miteinander!!
Fuer
diejenigen die es interessiert hier einige Berichte aus Bolivien, zur
Situation hier, aus meiner Sicht. Leider habe ich zu einigen Dingen zu wenig
Hintergrundwissen, aber ich denke einen Eindruck bekommt man schon. Zu vielem
koennte man natuerlich noch seitenweisen mehr dazuschreiben. Aber es isch
schon so sehr lang geworden, ihr koennt ja einfach versuchen rauszupicken,
was euch interessiert.
Viel Spass
beim Lesen, fuer diejenigen, die Zeit haben, fuer die anderen: mir geht es
immer noch, ich lebe immer noch, und habe noch immer nicht vor das Land zu
verlassen!! Im Moment bin ich sowieso im "sicheren" Santa Cruz,
und der Praesident hat aufgegeben, also wird es vermutlich eher ruhiger
werden, also, bitte keine zu grossen Sorgen machen!!
Besitos
Anina
Konflikt Nr.
1 Der Gringo ist abgehauen
Das
Land ist in Feststimmung, Goni, der "Gringo" ist zurueckgetreten,
bereits gestern stieg er ins Flugzeug um nach Miami zu
fluechten. Waehrenddem eine Demo in Santa Cruz wuetete, die in einen Kampf
zwischen Collas und Gambas ausartete (siehe Konflikt Nr. 3) sahen wir ein
Flugzeug ueber die Plaza fliegen, in dem, wie wir in Nachhinein erfuhren, der
Goni sass. Waehrend
der Demo waren die Hauptparolen “Goni assessino”, Goni Moerder, und “el
pueblo unido-nunca sera vencido” (das vereinigte Volk wird nie besiegt
werden)
Der neue
Praesident ist der Ex-Vizepraesident Carlos Mesa, ein parteiloser. Er
kuendigte aber bereits an, dass er das Land nur solange leiten wird, bis ein
neuer Praesident gefunden wird. Goni fluechtete, ohne ein Wort einer
Entschuldigung zum Volk zu aeussern. (angesichts der vielen Toten,
Verletzten, Hungernden) Der neue Praesident drueckte als erstes seinen
Respekt aus, gegenueber denjenigen, die fuer ihr Vaterland gestorben sind. Ob sich das
Gasproblem mit dem neuen Praesidenten loesen wird werden wir sehen. Ob er das
Volk besser leiten wird als Goni?
Konflikt
Nr. 2 Die Armut
Der
grundsaetzliche Konflikt ist ja eigentlich, dass das Land einfach
total arm ist. Die Bolivianos schieben das oft darauf ab, dass sie eben kein
Meer haben (das haben sie ueber 100 Jahren an Chile verloren),
viele glauben, alles waere ganz anders, wenn sie nur Meer haetten. Ich frage
mich irgendwie schon, wie das geht, dass ein Land mit solchen enormen
Bodenschaetzen, solchen Reichtuemern der Natur, so arm werden kann. Ich
denke, in der Erziehung, der Bildung, koennte man wahnsinnig viel machen. Die
Leute hier muessen alle waehlen gehen, nur gibt es sehr viele analphabeten
(habe leider die genauen Prozentzahlen nirgens gefunden). So wird das Problem
mit Symbolen und Farben geloest. Nur, welches ankreuzen? Da fliegt ein
Werbezettel ins Haus, mit einem Symbol drauf, also kreuzt man natuerlich das
an. Wenn man die Leute fragt, weshalb sie eine Typen wie den Ex-Diktator
Banzer demokratisch als Praesidenten gwwaehlt haben, drehen sie sich nur ab
und sprechen nicht mehr mit einem. Viele haben auch keine Ahnung was
eigentlich los ist, sie wissen einfach dass sie ungerecht behandelt werden, aber
wieso und was genau wissen sie nicht, da sie einfach nie von neutralen
Personen informiert werden. So sprechen sie eben alles ihrem Parteifuehrer
oder sonst einer Person nach. Da Bolivien finanziell unterstuetzt wird,
theoretisch, waere es eigentlcih kein problem, ein wenig in die Bildung zu
investieren, vielleicht gibt es mal einen Praesident, der die Gelder wirklich
fuer sein Volk aufwendet und nicht fuer sich selbst und andere maechtige
Personen oder Organisationen.
Konflikt
Nr. 3 Collas und Gambas
Seit
gestern bin ich in Santa Cruz. Genau einen halben Tag lang durfte
ich eine normale, ruhige bolivianische Stadt erleben, aber schon am Mittag,
begannen alle Laeden zu schliessen, ihre Fenster und Tueren zu verrammeln,
alles mit Holz vollzunageln usw... Seit Tagen habe ich immer wieder gehoert,
wenn die Unruhen bis nach Santa Cruz uebergreifen wuerden, sei es
"vorbei".Wir fluechteten in ein relativ sicherer Cafe an der Plaza
und konnten das Geschehen von oben verfolgen. Ein Demonstrationszug (alles
Collas) kam an der Plaza an, die Leute waren einige Tage unterwegs von
Warnes, einem Dorf aus, das zwischen Trinidad und
SantaCruz liegt. Die Demo begann relativ friedlich, aber dann kam eine
weitere Demonstrantengruppe und schlussendlich artete das Ganze in einen
Kampf aus, zwischen verschiedenen Gruppen, Collas, Gambas und Polizisten,
ausserdem eine Friedensgarde. Das Bolivianische Volk hat sich
"aufgeteilt" in Collas und Gambas (und einige weitere kleinere
Gruppen) Die Collas sind grob gesagt, die Leute aus dem Altiplano, aus der
wirtschaftlich schwaecheren Region, und die eher indigene Bevoelkerung. Die
Gambas kommen vorwiegend aus Regenwaldgebieten, also der sehr fruchtbaren
Region, sie sind nicht mehr so urspruenglich, wie die Collas. ich versuche es
neutral zu beurteilen, aber da Cochabamba eine Colla-Stadt ist, hoere ich das
ganze natuerlich vor allem aus der Colla-Sicht, aber ich bin jetzt in Santa
Cruz, da hoere ich auch die Gamba-Sicht und das bestaetigt mir eigentlich
meine Meinung. Also und zwar ist meine Meinung, dass viele Gambas (vor allem
diejenigen aus Santa Cruz) glauben, sie seien etwas Besseres,
als die Collas. Erst gestern las ich in einem Diskussionsforum von Indymedia,
wie eine Gambafrau schrieb, was die Collas eigentlcih meinen, einfach nach Santa
Cruz kommen, und demonstrieren, sie hier in Santa Cruz seien viel besser, die
Collafrauen sollen doch mal die Gambafrauen anschauen, so huebsch... Die
Collas, seien schwarz und fett und haesslich... Auch waehrend der Demo
hoerte man oft von Santa cruzeסos Parolen wie "idios afuera",
was soviel heisst, wie dass die Indigenen abhauen sollen. Die Gambas wollen
auch schon seit laengerem unabhaengig sein, vom Rest von Bolivien, weil sie
wirtschaftlich viel staerker sind, als das Altiplano. Offenbar haben sich die
zwei Gruppen gestern das erste Mal in der Geschichte "oeffentlich
bekaempft". Ich denke, es waere total ausgeartet, wenn nicht waehrend
der Demo das Geruecht durchgedrungen waere, dass der Praesident tatsaechlich
zuruechtritt. Die Collas gingen dann oder wurden zum gehen gezwungen,
so”siegten” die Collas. Schlussendlich verwandelte sich das Ganze in eine
Party, allerdings eine Party der Collas. Aber das Ganze hat mich schon ein
wenig beaengstigt, also angesichts der Zukunft des Landes, denn dieser Konflikt
wird mit einem neuen Praesidenten nicht behoben werden.
Fotos aus La
Paz:
http://bolivia.indymedia.org/es/2003/10/3749.shtml
http://bolivia.indymedia.org/es/2003/10/3734.shtml
Hier
noch Links mit Fakten zu Bolivien:
http://www.odci.gov/cia/publications/factbook/geos/bl.html
http://www.derreisefuehrer.com/data/bo/bo.asp
Eine
interessante Karte:
http://www.learn-line.nrw.de/angebote/chatderwelten/medio/Lateinamerika/KarteBolivien.html#
Hier ein Bericht von meinem Kollegen in La Paz, die weiteren untenstehenden
Berichte von Indymedia und die Menschenrechtskampagne habe ich ebenfalls von
ihm erhalten:
Der Strassenverkauf hat fast wieder regulaer eingesetzt!
Insgesamt kommt einem das Leben hier recht normal vor. Nur, dass
halt fast keine Autos fahren, dass viele Sachen bisschen teurer geworden sind
und dass riesige Schlangen an Tankstellen, Supermaerkten und
Gasflaschenausgabestellen warten!
Die
Leute warten mit ihren leeren Gasflaschen, die eine mehrere hundert Meter
lange Schlange bis zu dem Laster bildet. Immer wenn es ein Stueckchen voran
geht werden die Flaschen nachgerueckt und stossen dabei aneinander. Der Klang
ist eindrucksvoll, wie bei einem riesigen Windspiel!
Die Krankenwaegen kommen noch nicht durch und gerade ist die
Lage auch recht ruhig.
Naja, wie mann{s nimmt, es haben sich ueber 20000 Menschen auf
der Plaza San Fransisco versammelt und streunen genau da rum, wo ich bis
gestern festsass!
Die naechsten Tage wird sich zeigen, wie es hier weitergeht!
hier
noch n kurzer Bericht von Indymedia, sowie eine Kampagne zur Verteidigung der
Menschenrechte:
Der Lagebericht vom Montag:
Die Zahl der Toten ist offiziell auf 71 angestiegen, ber 250
sollen schwerverletzt in Krankenhהusern behandelt
werden.
Panzer und anderes, schweres Kriegsgerהt sind ins
Stadtzentrum verlegt worden, um den Aufstand zusammenzuschiessen. Teilweise
tobten heftige Kהmpfe direkt vor dem Regierungssitz, nur mit Mhe und הuerster
Brutalitהt gelang es
den Sicherheitskrהften, die aufgebrachten Demonstranten zurckzuschlagen.
Die Militהr- und
Polizeifhrung hat
sich eindeutig hinter die Regierung gestellt, wהhrend Evo Morales
(Vorsitzender der MAS, der grצten Oppositionspartei) von "Krהften innerhalb
des Militהrs"
sprach, die des Blutvergiesens berdrssig seien.
>
Die Meisten Aufstהndischen kamen am Montag aus El Alto, dem
Stadtteil also, in dem am Sonntag die Militהrs ein Massaker verbten, dem
26 Menschen zu Opfer fielen.
Inzwischen mobilisieren auch andere Gesellschaftsgruppen nach La Paz: Die
Minenarbeiter, die in den Bergwerken des "Prהsidenten"
Gori zu schuften haben, verlangen deren Vergesellschaftung. Die Koka- und
Hochlandbauern, organisiert in der MAS (movimiento al Socialismo), haben ihre
fr
Donnerstag geplande Mobilisierung vorverlegt. Nachbarschaftsorganisationen
aus anderen Stadtvierteln haben sich den Protesten ebenfalls angeschlossen.
Ein nobles Einkaufszentrum in der Innenstadt ist in Flammen aufgegengen, die
Hהuser von
Bullen und der Vorsitzenden der Regierungspartei sind angegriffen und
teilweise zerstצrt worden.
>
>Die meisten Gewerkschaften, wie die
Transportarbeitergewerkschaft, haben einen unbefristeten Generalstreik
ausgerufen, das צffentliche Leben ist in La Paz zusammengebrochen.
Selbst der Internationale Flughafen in La Paz ist hiervon betroffen, immer
mehr Fluggesellschaften unterbrechen ihren Flugverkehr nach Bolivien, mehrere
Regierungen haben vor kurzem Reisewarnungen fr dieses Land verצffentlcht.
>
>Unruhen werden ebenfalls aus Cochabamba, Oruro und Potosi gemeldet.
>
>Erste Risse zeichnen sich im Regierungslager ab: Der Vizeprהsident hat
sich von der Regierungspolitik distanziert, hierauf sind vier Minister zurckgetreten.
>
>Die USA und die OAS untersttzen weiterhin
"ihren" Presidenten, der in Bolivien als "der Gringo"
bezeihnet wird, da er einen Groteil seinen Lebens in
den USA verbrachte, dort in neoliberaler ײkonomie geschult wurde
und ber ein
riesiges Bergbauimperium in Bolivien verfgt.
>
>Die Regierung beginnt damit, Radio und Fernsehen
auszuschalten (Reporter ohne Grenzen)
>15 Soldaten wurden gefoltert und erschossen, weil sie sich
nicht lהnger an den
Massakern beteiligen wollten !
> (Liebe Leute, keine Ahnung was da dran ist! Bis jetzt nur
aus einer Quelle und noch garnicht aus ner Bolivianischen erfahren! Anmerkung
der Patrickredaktion!)
>
>Folgende Prognosen sind fr den heutigen
Dienstag denkbar:
>1. Der President tritt zurck.
>2. Das Miltהr und die Polizei veranstalten ein Blutbad.
3. Die Unruhen ebben ab, Bolivien ist immerhin Weltmeister in
beinahe- Revolutionen.
(Naja, der Dienstag ist relativ ruhig vorbeigegangen, doch die
Situation ist noch immer brikaer! Diese Prognosen haben aus meiner Sicht fuer
jeden Tag der Naechsten Woche gueltigkeit!)
Angesichts
der Massaker , des Genozides und der Verbrechen an der Menschlichkeit -
begangen am Volk Boliviens :
Start einer
Internationalen Kampagne der Internationalen Komission zur Verteidigung der
Menschenrechte ( Indy-Bolivien ; 13.10.03 )
Das Komitee Internationaler Beobachter - das internationale
Komitee zur berwachung der Menschenrechte und des internationalen
humanitהren Rechts (Comite Observador Internacional -Comite Observador
Internacional sobre los Derechos Humanos y el Derecho Internacional
Humanitario ) starten hiermit eine internationale Kampagne zur Verteidigung
dieser Rechte in Bolivien - unabhהngig und in Form eines Aufrufes ,auf
der Basis der Neutralitהt und in Permanenz,mit dem Ziel, das Leid,
welchem die Zivilbevצlkerung und die beweglichen Protestierenden
ausgesetzt sind , zu verurteilen und , im Mindesten, die Wiederherstellung
der Wrde der Familien der Opfer - als unmittelbare Konsequenz der
sich wiederholenden , aktuellen Gewalt , welche gegen die Universelle
Erklהrung der Menschenrechte , proklamiert am 10.12.1948 , und gegen
die Genfer Menschenrechtskonvention von 1949 verstצsst , anteilig der
Regierung des Prהsidenten Sanchez de Lozada , dessen von ihm
instruierte Militהringriffe gegen die Gesellschaft/
Zivilbevצlkerung bislang 60 Tote und mehr als 200 unschuldige Verletzte
forderten.
Das Komitee
unterbreitet die obigen Anklagen der Rechteverletzung den Internationalen
Institutionen fr Menschenrechte in Genf und den Internationalen
Organismen fr Humanitהt - mit dem erklהrten Ziel der
Einforderung einer internationalen Verurteilung des verstosses Menschenrechte
. Dieselben Anklagen sind fr die Weltצffentlichkeit einsehbar
auf der webside des Komitees:
Website
Humanitario Internacional www.comiteobservateurinternational.wxs.org
In spanischer , franzצsischer und englischer Sprache .Das
Komitee ist Mitglied des Amnesty International Groups Ring-Amnesty
International FrancoPhone und von The Hague Appeal for Peace (Conferencia de
La haya por la Paz Konferenz zur Friedensschaffung , Mai de 1999, en la que
participaron / unter Teilnahme von Secretario General de las Naciones Unidas
Kofi Annan, los premios Nobel/ die Literaturnobelpreistrהger Jody
Williams, Jose Ramos Horta, Rigoberta Menchu y el arzobispo africano und der
afrikanische Erzbischof Desmond Tutu, entre otros/ u. a. ). Das Komitee
organisiert Aufrufe an die ײffentlichkeit und humanitהre Pressekampagnen
auf nationaler und internationaler Ebene, auf der Basis aboluter
Neutralitהt und in der Mission der Wahrung und Verteidigung des Lebens
und der Bedingungen der Menschenwrde und aller brigen,
entsprechenden rechte und Freiheiten.
Das Comitee ersucht
alle BrgerInnen Boliviens und der internationalen Zivilgesellschaft
-: Jugendliche, Frauen & Mהnner - unabhהngig von Nationalitהt
, Glaube und Abstammung, per e-mail ihre Zustimmung zur Kampagne zu
הussern. Eine E- Mail als : Zustimmendes Einverstהndniss ,
Name und Region gengen ( sonstige Daten sind nicht erforderlich
) :
Schliesslich ruft das Komitee dazu auf, die Anklagen gegen die
Menschenrechtsverletzungen und den Genozid gegen die Humanitהt in
Bolivien in permanenter Form aufrecht zu erhalten .
Internacional
Humanitario,Rosario, Argentina. Phone:+54+341+4354360-
http://bolivia.indymedia.org/es/2003/10/3218.shtml
Bilder der
Konfrontationen und Aufstandgebietskarte:
http://argentina.indymedia.org/news/2003/10/14087
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